Besuch beim Bundestagsabgeordneten

Pressebericht: So ist der Arbeitsalltag von Torsten Schweiger

 

 

Berlin -

8.30 Uhr. Torsten Schweiger sitzt im Restaurant. Doch Essen gibt es nicht. Stattdessen serviert Philipp Franz zu Guttenberg, der Bruder des früheren Verteidigungsministers, dem CDU-Bundestagsabgeordneten und seinen Fraktionskollegen Wünsche nach staatlicher Unterstützung.

Der Cheflobbyist der Waldbesitzer ist der morgendliche Gast in der Unions-AG Kommunalpolitik, klagt über die Folgen von Stürmen und Dürre auf den Forst. Ein wichtiges Thema findet Schweiger, der seit vergangenen Herbst den Wahlkreis 74, der von Merseburg bis Stolberg im Südharz reicht, in Berlin vertritt: „Die Allgemeinheit hat oft gar nicht mitbekommen, wie groß das Ausmaß der Schäden ist.“

 
 

Bundestag: Dienstagvormittag gehört in Sitzungswochen traditionell den innerfraktionellen Arbeitsgruppen

Für den 50-Jährigen ist die kommunalpolitische Arbeitsgruppe bereits die zweite des Tages. Zuvor war bereits ab 7.30 Uhr Roland Jahn, Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, zu Gast in der AG Aufbau Ost. Es sei um die Zukunft der Behörde gegangen und um die Personalie des abberufenen Leiters der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe. Schweiger sieht dessen Demission kritisch.

Doch die ist nur eines von vielen Themen, mit denen sich der Abgeordnete heute befassen muss. Der Dienstagvormittag gehört in Sitzungswochen traditionell den innerfraktionellen Arbeitsgruppen, die teils die Ausschüsse des Bundestages widerspiegeln. Gegen 9 Uhr stoppt Schweiger kurz in seinem mit hohen Holzschränken und roten Teppich ausgestatten Büro im fünften Stock des Jakob-Kaiser-Hauses, das eigentlich ein ganzer Häuserkomplex mit Abgeordnetenbüros und Sitzungsräumen ist.

Bundestagsabgeordneter Torsten Schweiger hat vier Mitarbeiterinnen

Hier hat auch eine von Schweigers vier Mitarbeiterinnen ihren Arbeitsplatz. Andrea Haese, hörbar Rheinländerin, kennt den Bundestagsbetrieb noch aus Bonner Zeiten. Schweiger ist bereits der sechste Abgeordnete, für den sie arbeitet. Für ihren Chef organisiert sie die Termine, arbeitet Themen vor, formuliert nach seinen Vorschlägen auch mal Redebeiträge aus oder vertritt ihn, wenn sich Arbeitskreise überschneiden, damit er trotzdem Infos erhält: Schließlich, so berichtet der Sangerhäuser, dienten die AGs dazu, intern Argumente auszutauschen, die Fraktionsmeinung zu bilden.

Als nächster Termin steht die AG Umwelt auf dem Plan. Schweiger eilt durch das Labyrinth aus unterirdischen Gängen, dass das Regierungsviertel durchzieht ins fünf Minuten entfernte Paul-Loebe-Haus. „Es gibt Tage, da rennt man 20 Mal hin und her“, berichtet er. Auf den Fluren grüßen Fraktionskollegen. Vor der Tür des Sitzungsraumes läuft Dieter Stier umher, der CDU-Mann im Süden Sachsen-Anhalts.

Schweiger ist Berichterstatter der Fraktion für nachhaltiges Bauen

Bei Themen, in denen er nicht zu sehr drin stecke, frage er den manchmal nach seiner Meinung, sagt Schweiger. Dafür spezialisiere man sich ja in der Fraktion. „An sich habe ich aber schon den Anspruch, wenn ich den Arm hebe, dass ich weiß, worum es geht.“ Beim Thema Bau, der nächsten AG in einem Sitzungssaal „Unter den Linden“ mit Blick aufs Brandenburger Tor, steckt er als langjähriger Bauamtsleiter in der Materie. Schweiger ist Berichterstatter der Fraktion für nachhaltiges Bauen. Die Sitzung ist ihm wichtig, weil er am Freitag für fünf Minuten die Haltung der Union zu einem Grünen-Antrag im Bundestag darlegen darf. Für den Neuling noch nichts Alltägliches.
Drei Stunden später – Schweiger hat mittlerweile auch das Treffen der Berichterstatter in der CDU und deren Parlamentskreis Mittelstand hinter sich gebracht, steht er vorm Fraktionsraum der Union im Reichstag und initiiert ein Tippspiel: „Welche Farbe hat ihr Blazer heute?“. Gemeint ist die Oberbekleidung von Kanzlerin Angela Merkel, die für ein Foto mit Schweiger und vier Besuchern aus dem Mansfelder Land zugesagt hat. „Blau“ tippen die Gäste, „Rot“ der Abgeordnete. Die Kanzlerin kommt in Teppichgrau. Aufstellung. Drei Bilder. Dann eilt sie weiter. 20 Punkte stehen auf der Tagesordnung: von der Nachbereitung des Koalitionsausschusses mit der Diesel-Einigung bis zum Gesetz über Änderungen beim Geburtenregister.

Torsten Schweiger: „Mich stört, wenn immer von Kampfabstimmung die Rede ist.“

Schweiger nimmt den Seiteneingang, während 20 Meter weiter der frisch gewählte Fraktionschef Ralph Brinkhaus vor den Fernsehteams Aufstellung nimmt. Er finde den Wechsel gut, sagt der Sangerhäuser mit Blick auf dessen unerwarteten Sieg gegen Volker Kauder: „Mich stört, wenn immer von Kampfabstimmung die Rede ist.“ Für ihn gehöre auch der innerparteiliche Wettstreit von Ideen und Personen zur Demokratie. Der Wettstreit um den Posten des Fraktionsvize geht heute zu Gunsten des Favoriten aus. Andreas Jung habe die deutliche Mehrheit bekommen, berichtet Schweiger gegen 18 Uhr bei der zweiten Stippvisite des Tages in seinem Büro.

Vor einem Jahr hat er es bezogen. Ein Sprung ins kalte Wasser sei das damals gewesen. Wiedergewählte Kollegen hätten gerade bei legislaturübergreifenden Projekten einen Wissensvorsprung gehabt, aber er habe das Gefühl, dass er sich mit seiner Expertise etwa im Baubereich Respekt unter den Kollegen erarbeitet habe. Bei der Ausschussbesetzung gehen für Neulinge nicht gleich alle Wünsche in Erfüllung, deshalb sei er froh gewesen, als im Frühjahr doch wieder ein Bauausschuss eingerichtet wurde und er als einer von sechs CDU-Politikern hinein durfte.

Was hat Torsten Schweiger in diesem Jahr über das politische Berlin gelernt?

Was hat er in diesem Jahr über das politische Berlin gelernt? Schweiger überlegt kurz: Einige Dinge seien doch zählebiger als erwartet. „Aber das ist der Preis, den man in der Demokratie zahlt. Wenn man viele Leute einbindet, Interessenvertreter, Experten, dann dauert es eben länger.“ Die Arbeit im Bundestag mache ihm aber Spaß: „Es ist sehr umfang- und abwechslungsreich. Das ist der vielleicht größte Unterschied zu meinem vorherigen Job.“

Regelmäßige Begegnungen mit der Kanzlerin wären auch ein Kandidat. 18.20 Uhr wartet bereits die Fahrbereitschaft des Bundestags, um Schweiger die 500 Meter bis zum Kanzleramt zu fahren. Arbeitsessen der AG Kommunalpolitik mit Merkel. Danach steht noch eine Veranstaltung mit einem Start-up-Gründer im Kalender. Sein Ziel sei immer, bis zum „heute-Journal“ in seiner Berliner Zweitwohnung zu sein, erklärt Schweiger. Dann steigt er ins wartende Auto. (mz)

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